Nach unseren Aufenthalten auf Rabbit Island und in Kampot lassen wir uns vom Guesthousebesitzer in Kampot kraeftig uebers Ohr hauen und kaufen voellig ueberteurte Bustickets nach Siem Reap, die - wie wir erst auf der Umsteigestation in Phnom Pehn feststellen - gar nicht bis nach Siem Reap gebucht sind, was aber die nette Busfirma nach 2 Stunden Wartezeit fuer uns regelt. Wir sind insgesamt 14 Stunden auf der Strasse in einem hoechst unbequemen Bus, kommen erst weit nach Sonnenuntergang an und werden dank der netten Busfirma von einem Tuktukchauffeur am Busbahnhof erwartet, der uns in die Okay 1 Villa bringt (Empfehlung einer Reisebekanntschaft). Aber dort werden wir schlagartig fuer alle Strapazen und Aergernisse des Reisetages entschaedigt. Ein brandneues Hotel, mit dunklem Holz vertaefelt, eilfertigen Angestellten, Aufzug, palmenbeschatteter Dachterasse mit Pool und alles so sauber, dass man sich fuer seine eigene Wohnung daheim schaemen wuerde, wenn man noch eine haette. Nachdem uns das Zimmer gezeigt wurde, sinkt uns der Mut - das liegt weit ausserhalb unseres Reisebudgets. Doch nach ungefaehr 8 Nachfragen bei der netten Hotelangestellten "fifteen or fifty?" trauen wir endlich unseren Ohren, zahlen unglaeubig grinsend die 15 Dollar fuer uns drei (meine Schwester ist ja auch noch dabei) und springen im Mondenschein in den Pool.
Am naechsten Morgen starten wir unsere Tempelerkundungen, mit eigenem Tuktukfahrer natuerlich, und folgen der Empfehlung von zwei Mitreisenden bei den kleineren Tempeln anzufangen und sich in der Grossartigkeit innerhalb von drei Tagen zu steigern. Auf dem riesigen Angkorgelaende ist es trotz schattspendender Alleen gluehend heiss, die riesigen Lateritsteine heizen von unten, die Sonne braet von oben, wir steigen tapfer auf pyramidenfoermige Tempel hoch und wieder runter und lesen Reisebuch oder lauschen einheimischen Fuehrern.
Dazwischen pro Tempel eine Flasche Wasser kaufen und trinken und gleich wieder ausschwitzen, doch die beeindruckenden Tempel und sagenhaften Ausblicke entschaedigen fuer alles. Im letzten Tempel des Tages laesst Magdalena ihren Photoapparat fuer eine Minute unbeobachtet auf einem Stein liegen, wo er ploetzlich verschwindet. Gluecklicherweise schaut der Haltebendel noch aus der Hosentasche des flinken Diebes und meine Schwester bedankt sich geistesgegenwaertig fuer die Sicherstellung ihres Eigentums und erhaelt so ihre Kamera von dem langfingrigen Polizisten zurueck.
Am naechsten Tag besuchen wir ein weiter enferntes Tempelfeld und lernen einen netten Moench kennen, der uns sein Klassenzimmer zeigt und von seiner Arbeit erzaehlt, sowie Tempel, die von Wassergraeben umgeben sind oder tief im Dschungel liegen.
Dann haben wir uns einen Tag Entspannung verdient - nach so viel Kultur und Kletterei - und relaxen am Pool und leisten meiner Schwester Gesellschaft, waehrend sie den Markt von Siem Reap leerkauft. Abends besuchen wir ein Restaurant, in dem von einer Hilfsgesellschaft fuer Waisenkinder Schattentheater und traditionelle Taenze aufgefuehrt werden. Das Schattentheater kann uns nicht vom Hocker reissen, aber der Schuhplattlertanz mit Kokosnusskastagnetten und Augenzwinkern, der eine Art Balztanz zu sein scheint, hat es uns angetan.
Am naechsten Tag schliesslich der Hoehepunkt - Angkor Wat im Sonnenaufgang. Wir stehen und 4 Uhr auf, fahren in aller Herrgottsfruehe los, um den beruehmtesten aller Tempel in magischer Ruhe und faszinierendem Licht, so der Reisefuehrer, zu sehen und stehen mit 500 anderen Touristen, die die gleiche Idee hatten unter einem bewoelkten Himmel. Eher kein Geheimtipp mehr. Angkor Wat, da sind wir uns einig, wird trotz Rekordfriesen nicht unser Lieblingstempel. Wir troesten uns mit einem Fruehstueck und besichtigen weiter, wobei wir kurzzeitig unseren Tuktukfahrer verlieren. Im Gegensatz zu allen anderen Hobbyarchaeologen muessen wir naemlich die 2km lange Allee zum Bayontempel laufen, denken uns aber nichts dabei, vielleicht moechte uns unser Tuktukfahrer nur die Moeglichkeit geben, die Affenfamilien am Wegesrand aus naechster Naehe zu betrachten. Bayon ist der Tempel mit den unzaehligen Steingesichtern auf vielen, vielen Tuermen, der eine besondere Atmosphaere ausstrahlt und uns sehr viel mehr beeindruckt als Angkor Wat. Ein Spaziergang fuehrt uns zu weiteren, kleineren Tempeln in der Umgebung, wo auf einmal ein voellig abgehezter Tuktukfahrer auf uns zueilt, und stammelt, er sei so in Sorge gewesen, wir waeren verschwunden und er sei immer die Allee hin- und hergefahren, der Arme. Anschliessend laesst er uns auch nicht mehr aus den Augen, bevor wir ihm wieder abhauen (man zahlt die Fahrt naemlich erst danach)! Wir beschliessen unser Tempel-Hopping - wie man es hier in Backpackerkreisen nennt - mit Ta Prohm. Diesen Tempel hat sich der Dschungel zurueckerobert, riesige Wurzeln halten die Daecher und Mauern im Schwitzkasten und man kann sich einen Weg durch halb verschuettete Durchgaenge und herrlich viel Natur bahnen.
An unserem letzten Tag machen wir einen Ausflug zum Tonle Sap, dem groessten Binnensee Kambodschas, auf dem ein vietnamesisches Dorf schwimmt. Vor dem Betreten des Bootes werden wir einzeln fotographiert, der Grund dafuer wird uns jedoch erst klar, als uns am Ende unserer Tour Porzellanschmuckteller mit unserem Konterfei angeboten werden. Nachdem wir diese nicht gekauft haben, haengen sie jetzt vielleicht bei jemand anderem im Wohnzimmer. Nach der Enttaeuschung mit dem Angkor-Wat-Sonnenaufgang bietet sich uns hier zumindest ein toller Sonnenuntergang auf dem Wasser - sehr ramontisch.
Am letzten Abend in Siem Reap traue ich mich auch nach einigen Cocktails und dem Draengen meiner Schwester nicht, den Dr. Fish zu konsultieren - Wasserbassins, in die man seine schwieligen Fuesse haengen kann, auf dass sie von winzigen Fischen von Hornhaut und rauhen Stellen befreit werden. Auf die laotischen Doktortitel kann man sich doch nicht verlassen!
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